02. Oktober 12

Roundtable Gespräch bei ACE

Media Round Table bei ACE im Frankfurter MesseTurm (v.l.n.r.): Dr. Peter Albrecht (ACE Frankfurt), Harald von Seydlitz-Kurzbach (Geschäftsführender Gesellschafter, Reck & Co. GmbH), Bernd Frischleder (Geschäftsführender Gesellschafter, Frischleder Versicherungsmakler GmbH) sowie Dr. Dankwart von Schultzendorff (Country Manager, ACE Frankfurt).



Von Stefan Hirschmann

FRANKFURT/MAIN, 29.1.2013. Da die Steuerung von Risiken eine Kernaufgabe des Unternehmens ist, muss das Risikomanagement als Leitungsaufgabe erachtet werden. Wird die Identifizierung und Analyse verschiedener Risikokategorien dagegen nicht auf oberster Ebene betrieben und die Risikosteuerung an das Controlling, die Versicherungs-, Rechts- oder Personalabteilung ausgelagert, gehen dem Unternehmen mitunter wichtige Steuerungsinformationen verloren. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner sind nur in einem Drittel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland die Geschäftsführer oder Vorstände mit Risikomanagement-Themen betraut. Doch vor allem durch die Folgen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Risiko-Awareness zuletzt deutlich gestiegen. Viele Unternehmen glauben, dass vor allem internationale Geschäftstätigkeiten innerhalb der letzten fünf Jahre riskanter geworden sind. "Das Risiko-Bewusstsein in großen Unternehmen ist durchaus vorhanden. Schon heute spielen Schadenprävention und Risk Management eine sehr große Rolle", sagt der Kölner Risikomanager und Industrieversicherungsmakler Bernd Frischleder. Die Herausforderung dabei sei, das Gesamtinteresse im Konzern zu verstehen und eine adäquate Risikokultur zu implementieren. Lange zielte das traditionelle Versicherungsmanagement im Unternehmen primär darauf ab, die Prämien zu reduzieren und die Verträge möglichst fortlaufend neu zu verhandeln. "Doch die besten Schäden sind jene, die gar nicht erst eintreten", meint Frischleder. Was banal klingt, erfordert vielfach einen Umdenkungsprozess in den Köpfen der Beteiligten. Die Risikomessung und -kalkulation wird wichtiger. So trägt etwa das Rückspielen von Informationen aus Schadensfällen zur Optimierung der Datengrundlage bei, um künftige Schadensfälle zu vermeiden. Im Gegensatz zu Banken, Versicherungen und Großkonzernen nutzt der deutsche Mittelstand allerdings verhältnismäßig wenig IT-gestützte und prozessintegrierte Risikomanagement-Systeme. Die Behandlung von Gefahren und Herausforderungen bleibt dadurch oft intuitiv und eindimensional. Ein in die Unternehmensorganisation voll integriertes Risikomanagement benötigt aber insbesondere solche Werkzeuge. Bisher kommt der Anstoß für die Einrichtung umfassender Lösungen für die Risikosteuerung allzu oft von außen: Lieferanten, Kunden oder staatliche Vorschriften fordern gewisse Standards. Immer mehr Großkunden erwarten auch von ihren Versicherern mehr Transparenz hinsichtlich der Schadensfälle, -bestände oder -ursachen. "Wir verstehen deshalb die Datengenerierung als Teil des Risikomanagements. Ein Risikomanager muss auch Controller sein", sagt Dr. Peter Albrecht (Foto oben), Claims Manager Germany bei ACE in Frankfurt. In seinem Team werden jährlich rund 16.000 Schäden in der Inhousebearbeitung reguliert. Zwar lägen 80 % davon im Bereich unter 20.000 EUR, "doch die Schadenbearbeitung wird bei uns als Wettbewerbsfaktor verstanden", sagt Albrecht. Je nach Schadenstyp sei eine andere Bearbeitung erforderlich. Der professionelle Umgang mit Schäden sowie die Flexibilität in der Bearbeitung seien wichtig, um in einem umkämpften Marktsegment überhaupt wahrgenommen zu werden. Mangelndes Schadenmanagement fördere zudem geradezu den Versicherungsbetrug. Obwohl der Druck auf die Margen und Kosten erkennbar gestiegen sei und in der Schadenbearbeitung die Prozesseffizienz heute als betriebswirtschaftliche Voraussetzung gesehen werde, müssten gleichwohl die Kundebedürfnisse weiterhin im Vordergrund stehen. "In der Vergangenheit war die Balance zwischen Prozessorientierung und Kundenorientierung nicht immer ausgeglichen", sagt Risikomanager Albrecht. Ein ganzheitliches Risk Management  und Schadenprävention verlangen mehr als das Wissen um den einzelnen Schaden. "Eine Stigmatisierung von Schäden sollte deshalb aus den Köpfen verbannt werden", meint Harald von Seydlitz-Kurzbach, Geschäftsführender Gesellschafter von Reck & Co. GmbH aus Bremen. Mit einem Schwerpunkt auf der Regressführung entwickelt sein Unternehmen Lösungen für Schadensituationen im Transportbereich. Sämtliche Risikomanagement, Fraud- und Regressaktivitäten sollen dazu beitragen, die Schadenquoten im Griff zu halten und den Versicherungsunternehmen eine Infrastruktur und Schadenorganisation zur Verfügung zu stellen, mit der auch Risiken gesteuert werden können. Nur wer aus Schadenquoten sowie Anzahl und Art der Schäden ein Gesamtbild zeichnen kann, hat die Möglichkeit aus Schaden klug zu werden.

Quelle: www.risiko-manager.com; Bild: ACE